Kürzlich hat sich die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein von dem sozialen Netzwerk Mastodon verabschiedet. Der Grund sei, dass das Community-Management zu aufwändig sei.

1. Die Illusion der Zahlen
Die übrigen Social-Media-Plattformen zeigen große Marketing-KPIs. Diese prägen die Branche von Anbeginn der Kommerzialisierung des Internets. Sie sind die Rechtfertigung der Kosten, die sie verursachen, aber was ist wirklich der Nutzen. Das Profil @verbraucherzentrale_sh hat ca. 3.200 Follower auf Mastodon – vernichtend gering gegen die Zahl der Nutzenden auf Instagram. Doch auf Linkedin hat die Organisation sogar nur 519 Follower. Und trotzdem verabschieden sich die Verantwortlichen von Mastodon – warum?
2. Das Community-Management ist zu aufwändig
Dieses Argument hat es in sich, denn es verrät, wie sehr sich unser Verständnis von Community verändert hat. Während die anderen Plattformen nur zum Selbstzweck bestehen, bedarf Mastodon einer authentischen Ansprache und erfordert echten Austausch. Das, was auf den übrigen Plattformen stattfindet, sind keine Communities – das haben Menschen wie der Journalist Corry Doctorow oder der Medienwissenschaftler Martin Andree bereits sauber rausgearbeitet. Mastodon ermöglicht echtes Community-Management und ist deshalb wirklich aufwändig und wertvoll.
3. Informationsvermittlung
Doch gerade für die Verbraucherzentrale, die dem Schutz der Verbraucher dient und deshalb eine gemeinnützige Organisation ist, sollte auch die Vermittlung von Informationen wichtig sein. Um möglichst viele Verbraucher zu erreichen, kann sie sich nicht so einfach von einer Plattform trennen, deshalb ist es anerkennenswert, wenn sie es im Fall von X aus Gründen trotzdem getan hat. Doch Mastodon ist Datenschutz by Design, frei von Algorithmen – und deshalb schützt es seine Nutzenden und damit die Verbraucher.
4. Manöverkritik
Aus dem Statement der Verbraucherzentrale geht auch hervor, dass die Mehrfachverwertung der Inhalte für Facebook und Mastodon aus der Community negativ beäugt worden sei. Wenn dem so ist, sollte uns als Mastodon-Nutzende auch klar sein: Wenn Mastodon wachsen soll, muss es auch eine Andersartigkeit aushalten. Eine Rückrufaktion oder eine Phishing-Warnung kann auch plattform- und netzwerkübergreifend verstanden werden.
Kompromiss
Es ist eine ehrliche Erkenntnis, dass das Pflegen einer Community sehr aufwändig ist. Deshalb verabschiedet sich die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein von diesem Ziel. Doch die Informationsvermittlung ist dennoch wichtig. Und damit das für eine Mitarbeiterin machbar ist, nutzt sie in Zukunft ein Social-Media-Management-Tool – damit wird ein Beitrag automatisch in alle Plattformen und Netzwerke gespielt.

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